Den Job für eine Weltreise kündigen?

Wir Deutschen sind in Punkto Job, Finanzen und Zukunft ja bekanntlich die Sicherheitsfreaks schlechthin.
Auch wir konnten uns davon lange Zeit schwer lösen. Erst als unser Traum von der Weltreise immer präsenter wurde, fingen wir an uns wirklich Gedanken darüber zu machen. Selbstverständlich hängt es von deiner ganz persönlichen Situation ab, wie du mit dem Thema umgehst. Nicht jeder muss gleich für eine Weltreise kündigen.
Wir wollen dir hier eine kleine Hilfestellung geben und dir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt.

Jobwechsel

Du hast bereits ein neues Jobangebot oder hattest vor, deinen derzeitigen Job zu wechseln? Eventuell kannst du es arrangieren, dass dein Arbeitsverhältnis direkt im Anschluss deiner Reise beginnt.
Oder du bewirbst dich gezielt auf Stellen, die erst im Anschluss besetzt werden, um dir eine gewisse (finanzielle) Sicherheit für die Rückkehr zu schaffen. Natürlich kannst du auch von unterwegs aus auf die Suche nach einer neuen Stelle gehen.


Remote arbeiten

Wenn du bereits jetzt papierlos arbeitest, hast du vielleicht die Option deine Stunden zu reduzieren und zum Beispiel 2-3 Tage die Woche von unterwegs aus weiter zu arbeiten. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Angestellten heute schon die Möglichkeit remote zu arbeiten. Somit kann jeder Mitarbeiter seine Arbeitszeit flexibel und von zu Hause oder unterwegs aus gestalten. Informiere dich hierzu einfach bei deinem Vorgesetzten oder der Personalabteilung.
Eventuell ist ein Unternehmen auch eher bereit, eine solche Vereinbarung einzugehen, wenn die andere Option wäre, dass du für die Weltreise kündigen musst.


Eine Auszeit nehmen für die Weltreise

Wenn du deinen Job nicht gleich kündigen möchtest, kannst du bei deinem Arbeitgeber eventuell 1-2 Monate unbezahlten Urlaub oder ein sogenanntes Sabbatical beantragen. So hast du nach deiner Auszeit die Möglichkeit in dein derzeitiges Unternehmen zurückzukehren.
Informiere dich vorab bei deiner Personalabteilung, inwieweit das Unternehmen solche Vorhaben unterstützt, denn nicht jeder Arbeitgeber kann oder will seine Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum entbehren. Auch ist es in jedem Fall ratsam, vor deinem Chef mit offenen Karten zu spielen. Er kann sich gegebenenfalls für dich einsetzen und langfristig mit dir zusammen einen entsprechenden Zeitplan erstellen.

Ganz gleich aus welchem Grund oder wie lange du eine Auszeit nehmen möchtest, bedenke dabei, dass du in der Regel für diese Zeit kein Einkommen erhältst und somit auch keine Beiträge in die Sozialversicherungen fließen. Ein entsprechendes finanzielles Puffer wäre somit hilfreich für deine große Reise.

Eine tolle Alternative bietet das sogenannte Teilzeit-Modell des Sabbaticals. Hierbei reduzierst du, anhand eines neuen Arbeitsvertrages bzw. Nachtrages, deine Arbeitsstunden pro Woche für einen festgelegten Zeitraum bis zur Reise. Der Unterschied ist jedoch, dass du deine regulären Stunden, wie vor der Änderung, weiterarbeitest. Du verdienst in dieser Zeit zwar etwas weniger Geld, kannst somit aber eine Menge Überstunden aufbauen, die anschließend für deine Reise planmäßig „abgefeiert“ werden können. Bei diese Modell erhältst du während der Reise somit auch noch weiterhin dein vereinbartes „Teilzeit“-Gehalt. Der Vorteil ist hierbei auch, dass die Sozialversicherungsbeiträge in dieser Zeit weiter gezahlt werden.
Kläre jedoch bereits im Vorfeld, wie mit eventuellen Krankheits- oder Urlaubstagen umgegangen werden soll.

Sofern dich dieses Modell interessiert, solltest du also rechtzeitig das Gespräch mit deinem Vorgesetzten suchen.
Viele weitere Infos zum Sabbatjahr findest du auch hier.


Den Job für eine Weltreise kündigen

Der wohl radikalste, aber zugleich auch befreiendste Schritt in Richtung absolute Unabhängigkeit, wie wir finden. Aber eben auch nicht für Jedermann das Richtige.
Schnell kommen Ängste hoch wie:
Was wird aus meiner Rente? Wer bezahlt dann meine Versicherungen? Und wohl am wichtigsten… wie gehts es danach weiter?
Natürlich sind diese Fragen berechtigt und sollten nicht einfach vernachlässigt werden, aber im Umkehrschluss können die Worte „Ich kündige!“ auch so viel Positives in sich tragen.
Du hast zum Beispiel die Chance dich komplett neu zu erfinden, einfach mal das zu machen, wovon du schon immer geträumt hast. Deiner Leidenschaft voll nachzugehen und wer weiß, vielleicht findest du darin auch deine neue Passion. Du bist vollkommen unabhängig und flexibel.

Bei einer so wichtigen Entscheidung malen wir uns immer das „Worst Case“-Szenario aus und stellen meistens wieder fest, so schlimm ist es gar nicht.
Was könnte also passieren, wenn du für eine Weltreise kündigst?
Du kommst völlig abgebrannt von deiner Reise zurück und hast es bislang nicht geschafft, von unterwegs einen neuen Job in Deutschland zu finden.
Möglichkeit 1: Du kehrst an deinen letzten Wohnort zurück und bittest deinen alten Arbeitgeber um eine Neuanstellung.
Möglichkeit 2: Du kommst vorerst bei deiner Familie oder deinen Freunden unter, bis du etwas gefunden hast.
Möglichkeit 3: Du siehst es als Chance und startest in einer anderen Stadt einen Neuanfang. Unser deutsches Sozialsystem ist so gestrickt, dass es dich in solchen Situationen finanziell auffängt und unterstützt.

Hier erfährst du, was du beim arbeitslos melden für eine Weltreise alles wissen musst.


So haben wir es gemacht

Unsere Entschlossenheit, alles hinter uns zu lassen, wurde arbeitstechnisch immer wieder auf die Probe gestellt. Zuerst winkte der unbefristete Arbeitsvertrag (auf den ich anfangs noch hingearbeitet hatte), dann mehrfach ein beruflicher Aufstieg und und und. An jedem dieser Meilensteine (bei dem andere vor Freude wohl fast geplatzt wären) wogen wir die Vor- und Nachteile ab.

Nach kurzem Hin und Her, war jedoch jedes Mal klar, dass es derzeit nicht das Richtige für uns wäre. Langfristig gesehen, wären wir nicht glücklich geworden. Zuerst habe ich noch den Versuch gewagt, ein Sabbatjahr zu beantragen, da ich ein super Team und eigentlich nichts auszusetzen hatte. Nachdem dieses jedoch aufgrund von Personalknappheit abgelehnt wurde, entschied ich mich für die Kündigung.
Bei Löh war es genau andersrum:
Nachdem er seinen Job im öffentlichen Dienst gekündigt hatte, wurde ihm seitens seines Chefs einige Tage später die Option eines Sabbatjahres (oder auch zwei) eröffnet, um ihn als Arbeitskraft nicht zu verlieren. Unseres Wissens nach hätte man als „Öffi“ sogar einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical, sofern keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Naja letztendlich entschied sich Löh gegen das verlockende Angebot und blieb bei seiner Kündigung. „Wenn, dann ziehen wir das gemeinsam durch!“

Im Nachhinein sind wir beide so unfassbar froh über diese Entscheidung, denn so stehen uns während und nach der Reise alle Türen offen. Wir fühlen uns jetzt schon so unglaublich frei bei dem Gedanken keine feste Deadline für unsere Reise bzw. die Rückkehr zu haben.