Minimalismus – Kann das weg?

Vorab: wir sind nicht zu extremen Minimalisten, Subkulturellen oder Veganern mutiert! Wir sind noch die gleichen Spinner von neben an.  

Eine Sache hat uns aber in den letzten zwei Jahren arg beschäftigt… 

Mit unserer Entscheidung auf Weltreise zu gehen, war auch der Plan, den Haushalt aufzulösen, in Stein gemeißelt. 

Wie das dazu kam?! 

Wir sind zuvor schon das ein oder andere Mal losgezogen. Zum Beispiel nach Gran Canaria (unsere erste Hostel-Erfahrung) oder mit Hugo, unserem ausgebautem Caddy, nach Norwegen…

Umso öfter wir so unterwegs waren, umso mehr entdeckten wir für uns, dass materielle Dinge nicht wirklich dazu beitragen glücklicher zu sein. Das wird den Meisten wohl bewusst sein. Doch es zu wissen ist das eine, es richtig zu erleben war wirklich neu für uns.  

Wir sind aufgewachsen in Deutschland, Platz 4 der reichsten Länder dieses Planeten, zumindest wenn es nach dem Bruttoinlandsprodukt geht. 
Das Motto: “Haben ist besser als brauchen!” Der Fernseher groß, as Auto auf pump. Geld allein macht nicht glücklich! Ja ne ist klar… 

Aber was ist, wenn man wirklich mal fast alles los lässt? Werden wir damit glücklicher oder fehlt uns vielleicht doch etwas? 

Lass mal los! 

Unser kleiner Sparplan, der uns diese Reise ermöglichen sollte, brachte den Stein ins rollen. 

Als Erstes musste mein geliebter 5er BMW dran glauben… meine Fresse das tat weh! Als Ersatz kam ein rostiger, alter Kastenwagen, den wir später liebevoll „Hugo“ tauften. Marens fast neuer VW Passat kam auch unter den Hammer. Im Nachhinein die beste Entscheidung, denn kurz drauf ging es mit dem Dieselskandal erst richtig los.

Von dort an ging es jeden Tag mit Fahrrad oder Zug zur Arbeit. Anfangs nervig und anstrengend, später voll okay. 

Anschließend folgte der Fernseher… ihn abzugeben war auch kein leichtes für mich. Sogar das Sofa musste raus und unser gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer wich kurze Zeit später unserem neuen Arbeitszimmer. So zog sich der Faden langsam aber stetig durch unsere gesamte Wohnung. 

Ganz ehrlich?! So richtig glücklich hat mich das jetzt anfangs nicht gemacht… Kein Entertainment Programm mehr am Abend und längere Autofahrten wurden unbequemer.
Anstatt einem chilligen Sofa, nur noch harte Holzstühle. Für den Moment irgendwie voll die blöde Idee! ;D 

Als wir dann auch noch weitere Möbel abgaben, wurde die Wohnung allmählich ganz schön kahl, aber auch viel geräumiger. 

Spannend war es dabei zu beobachten, wie das alles unserer Laune nichts ausmachte. Anstatt dem ganzen nachzutrauern, fingen wir an in der Wohnung Skateboard zu fahren. Man muss immer die guten Seiten sehen! ;D 

Reisen ohne Ballast

Was sich zudem änderte, war nicht nur unsere Einstellung zu gewissen Dingen, auch ein Gefühl von Freiheit machte sich breit. Statt den ganzen Abend vor der Glotze zu verbringen, wurden wir unglaublich kreativ und hatten plötzlich viel mehr Zeit für uns. 

Mit jedem Gegenstand, den wir verkauften oder verschenkten, viel uns quasi eine Last von den Schultern. Wir kamen unserem Ziel und damit auch unserem großen Traum immer näher. Teilweise waren wir wie im Rausch und konnten die Dinge nicht schnell genug loslassen. Das Gefühl, sich von immer mehr Ballast zu befreien, den man über all die Jahre angesammelt hatte, war einfach zu gut.  

Schließlich verkauften wir auch den Kastenwagen und bauten uns unser neues kleines zu Hause aus. Ein alter VW LT Bus, oder auch Rusty, wie wir ihn nennen. 

Nach einem Jahr sind wir nun da angekommen, wo wir definitiv von Minimalismus sprechen können. 

Alles, was wir noch besitzen, passt in unserem Bus. Unserer Zuhause ist in kürzester Zeit von 60qm auf 6qm geschrumpft. Was für ein krasses Gefühl! 

Jetzt, so nach einem Jahr des kontinuierlichen Entsagens, müssen wir uns ganz ehrlich eingestehen… wir brauchen eigentlich kaum etwas, um glücklich zu sein. Genau darum geht es schlussendlich, so glauben wir. Um die Erkenntnis, dass weniger eben doch mehr ist! 

Am Ende ist in uns ganz persönlich ein neues Lebensgefühl entstanden. Wir nehmen die kleinen Dinge im Leben viel stärker und mit größerer Freude wahr. Heute schätzen wir viele Sachen ganz anders Wert… ein bequemes Sofa bei Freunden oder der Familie, eine Kaffeemaschine oder einen Film-Abend. Wann haben wir uns jemals so bewusst darüber gefreut.  

Doch einfach allem zu entsagen macht allein wohl genauso wenig glücklich, wie dauerhafter Konsum. 

Bei uns war es die neue Perspektive auf die Dinge. Wir haben versucht einfach alles los zu lassen, was uns ausbremst, unsere Träume zu verwirklichen. Da kann einem so ein Haushalt auch schon mal im Weg stehen. 

Minimalismus bringt in unseren Augen einfach ein positives Lebensgefühl mit sich. Ein Weg der uns dazu brachte, bewusster und glücklicher zu leben. Wir haben uns dazu entschieden, unser Konsumverhalten regelmäßig zu hinterfragen und auch in Zukunft darauf zu achten, was wir kaufen und zu welchem Zweck.  

Wir sind glücklich mit dem was wir haben & wollen so schnell auch nicht mehr tauschen! 

P.s.: Lass mal los! 

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